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Watzlawick und Schulz von Thun

 


Kommunikationsmodelle nach Watzlawick und Schulz v. Thun
Ein kurze Einführung

In fast jeder Literatur wird unter dem Stichwort Kommunikation vor allem Paul Watzlawick hervorgehoben, der mit seinem Werk „Menschliche Kommunikation“  Pionierarbeit in der Kommunikationsforschung betrieben hat und Kommunikation systematisch in eine Theorie zusammengefasst hat, die auch das Ableiten praktischer Konsequenzen ermöglicht.  

Zwar hat Watzlawick sich nur bedingt mit den Einschränkungen verschiedener Kommunikationsmittel beschäftigt und bei der ersten Herausgabe des berühmtesten Werkes 1967 selbstverständlich nicht das Internet als Medium mit einbeziehen können, doch erscheint es aufgrund der Bedeutung dieser Erkenntnisse unerlässlich, die teils verborgenen Kommunikationsebenen auch bei der Online-Kommunikation zu berücksichtigen.

Der Austausch von Botschaften (Informationen über sich selbst, den Anderen, die Situation usw.) zwischen zwei (oder mehreren) Personen wird von Watzlawick als Kommunikation definiert. Watzlawick bedient sich des einfachen Sender – Empfänger Modells, fügt aber einige Variablen in die Betrachtung hinzu. Der Sender sendet bewusst  oder unbewusst die Mitteilung "kodiert" (in Signale verschlüsselt) und auf dem akustischen, visuellen oder taktilen Kanal. Der Empfänger nimmt bewusst oder unbewusst die Signale über die Sinnesorgane auf und verarbeitet sie durch Hinzunehmen von Erfahrungen, Wissen, Erwartungen, Einstellungen usw.

Er mag die Botschaft vollständig dekodieren, sich mit Vermutungen zufrieden geben oder sich vergewissern, ob er die Mitteilung vollständig empfangen und richtig entschlüsselt hat ("Feedback"). Diskutieren beide Gesprächspartner darüber, weshalb sie bestimmte Mitteilungen gesendet oder eine besondere Art der Übermittlung ausgewählt haben, so wird von Metakommunikation gresprochen.

Der wohl bekannteste Satz von Watzlawick lautet: „ Man kann nicht nicht kommunizieren .“  Unter kommunizieren versteht man primär kommunizieren mittels Sprache. Es gibt aber weitere kommunikative Mittel, wie paralinguistische Phänomene (z.B. Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen, Seufzen usw.), Körperhaltung und Körpersprache (Mimik, Gestik) und auch Symptome, die hier zusammenfassend als Verhalten bezeichnet werden.

(Es) „...sei von Anfang an darauf verwiesen, dass wir die beiden Begriffe Kommunikation und Verhalten hier als praktisch gleichbedeutend verwenden. „

Da Watzlawick also offenbar jedes Verhalten als Kommunikation betrachtet, wird deutlich, weshalb er die These des „nicht nicht kommunizieren können“ vertritt. Es ist möglich, zu schweigen, also sich verbal nicht zu äußern. Sich nicht mehr zu verhalten ist allerdings unmöglich.


Ein weiteres Merkmal von Kommunikation ist der Beziehungs- u. Inhaltsaspekt.

“Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist”.

Damit ist gemeint, dass jede Mitteilung neben dem Inhalt, der eigentlichen Information, Hinweise darüber enthält, wie ihr Sender sie vom Empfänger verstanden haben möchte. Es ist also in jeder Kommunikation die Aussage darüber enthalten, wie der Sender seine Beziehung zum Empfänger sieht, sozusagen als seine persönliche Stellungnahme zum Empfänger.

Ergänzend zu dieser Feststellung kann auch festgehalten werden, dass je besser sich die kommunizierenden Personen kennen, desto besser (das heißt präziser, klarer oder unmissverständlicher) wissen sie die nonverbalen Beziehungsbotschaften des Anderen zu verstehen. Dagegen wirken unterschiedliche Kulturen, soziale Herkunft oder Bildung erschwerend, weil die Gefahr, dass nonverbale Signale falsch verstanden werden, größer ist.

Drei weitere Axiome nennt Watzlawick neben den bereits genannten Axiomen eins und zwei als Grundlage für die Kommunikationsforschung:
Das dritte Axiom beschreibt die Interpunktion in jeder Kommunikation. Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.  Eine Interpunktion ist eine Handlung, bei der die Erwartung des anderen interpretiert wird. Watzlawick führt als Beispiel auch das Verhalten der Großmächte während des Kalten Krieges auf, wonach die Vorbereitung auf den Krieg – aus Sicht der Nationen - das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens ist und Nation A ihr Aufrüsten damit begründet, dass sie sich von Nation B bedroht fühlt, während Nation B sich ihrerseits von Nation A bedroht fühlt und ebenfalls weiter aufrüstet. Das Beispiel der Interpunktion ließe sich sicherlich auch gut auf den weltweiten Terror übertragen. Man reagiert mit „mehr des Gleichen“, um ein Ergebnis zu erzielen, obwohl dieses Verhalten eigentlich zum Gegenteil führt.


Das vierte Axiom besagt, dass menschliche Kommunikation sich digitaler und analoger Modalitäten bedient. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikationen erforderliche logische Syntax.  Die digitale Kommunikation bezieht sich auf Worte und Sätze, die bestimmten Objekten zugeordnet sind. Diese Sprache ist logisch, abstrakt und repräsentiert den lnhaltsaspekt. Die digitale Sprache vermittelt in erster Linie Informationen. Sie bietet keine Hinweise dafür, wie diese Information bewertet und interpretiert werden soll. Der Extremfall einer digitalen Kommunikation ist ein sprechender Computer. Die analoge Kommunikation hat eine viel direktere, engere Beziehung zu den Objekten, die sie repräsentiert. Sie basiert auf archaischen Kommunikationsformen und besitzt daher eine allgemeinere Gültigkeit und Verbreitung als die viel jüngere digitale Kommunikation. Analoge Kommunikation bezieht sich nicht auf Dinge (wie die digitale Kommunikation), sondern auf die Beziehung zwischen den Dingen (oder Menschen).


Axiom Nummer fünf unterteilt zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe in symmetrisch und komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. Wenn zwei Gesprächspartner sich gegenseitig die gleichen Verhaltensweisen erlauben können, also beispielsweise Vorschläge machen oder kritisieren können,  dann handelt es sich um symmetrische Kommunikation. Das Gegenteil ist bei komplementärer Kommunikation der Fall. Beide Gesprächspartner zeigen jeweils andere Verhaltensweisen, sind jedoch aufeinander zugeschnitten und ergänzen sich gleichsam. Meistens sind dabei einer in der überlegenen und der Andere in der unterlegenen Position. 


Schulz von Thun hat den Beziehungs- u. Inhaltsaspekt einer Nachricht um zwei weitere Aspekte ergänzt. Er unterteilt eine Nachricht in vier Aspekte: Den Sachaspekt, den Beziehungsaspekt, den Selbstoffenbarungsaspekt und den Appellaspekt. 
Der Sachaspekt ist mit dem von Watzlawick gemeintem Inhaltsaspekt gleichzusetzen. 
Im Selbstoffenbarungsaspekt teilt der Sender dem Empfänger gewollte Selbstdarstellung und unfreiwillige Selbstenthüllung mit. 
Der Beziehungsaspekt beschreibt, wie der Sender zum Empfänger steht bzw. wie beide zueinander stehen.
Der Appellaspekt ist der Versuch, auf den Empfänger Einfluss zu nehmen. Schulz v. Thun unterscheidet hier zwischen offenem und verdecktem Appellcharakter, und nennt letzteren Manipulation .
Vierohriger Empfänger nach Schulz von ThunDie vier Aspekte einer Nachricht gelten sowohl für die Senderseite als auch für die Empfängerseite. Für die Empfängerseite illustriert das Modell des „vierohrigen Empfänger“ die verschieden Aspekte, die vom Empfänger interpretiert werden.
 
Schulz von Thun unterteilt Nachrichten und Botschaften außerdem in explizite und implizite Botschaften und in verbale und nonverbale Nachrichtenanteile.
Explizite Botschaften sind klar formulierte Botschaften, implizite dagegen sind nicht klar geäußerte Botschaften. Etwas steckt in der Botschaft, ohne  direkt gesagt zu werden. Die Unterteilung explizit/implizit ist unabhängig von den vier Aspekten einer Nachricht, kann also auf allen vier Seiten möglich sein. Als Beispiel werden die Aussagen „Erna, hol Bier“ und „Erna, das Bier ist alle“ für explizite und implizite Botschaften aufgeführt. 


Alle vier Aspekte werden auch auf nonverbaler Ebene einer Nachricht vermittelt. Bleibt die nonverbale Äußerung auf der reinen nicht-sprachlichen Ebene, also nicht als Untermalung einer verbalen Botschaft, so bleibt die Sach-Seite allerdings oft leer.
Nachrichten lassen sich außerdem nach kongruent und inkongruent unterscheiden. Wenn sowohl verbale als auch nonverbale Botschaften einer Nachricht in die gleiche Richtung weisen, handelt es sich um eine kongruente Nachricht. Bei einer inkongruenten Nachricht stehen die Botschaften im Widerspruch zueinander. Die sprachlichen und nicht-sprachlichen Signale passen nicht zueinander. Als Beispiel führt Schulz von Thun eine Frau an, die auf die Frage „ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ antwortet, es sei alles in Ordnung, jedoch nonverbal deutlich ausdrückt, dass scheinbar etwas nicht in Ordnung ist.
Die Wahrnehmung inkongruenter Botschaften ist also mit der Möglichkeit verbunden, nonverbale Botschaften empfangen zu können. Stehen sich die Kommunizierenden gegenüber, stellt dies kein Problem dar. Anders verhält es sich bei textbasierten Austausch von Nachrichten.




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